Meine Reise zum Amazonasbecken: Ein Abenteuer in den Bergländern Guayanas

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28. September 2015 um 14:48 Uhr

amazonasSuzyDas Boot durchstreift den Regenwald und ich lausche einem mächtigen Donnern, das langsam näher kommt. Hier im Bergland von Guyana versteckt sich der Salto Ángel und markiert das erste Highlight meines Aufenthalts in dieser wunderhübschen, entrückten und wasserreichen Region.

Erst fliegen, dann schippern

Im Südosten Venezuelas, genauer gesagt in Canaima wartet ein Boot auf mich. Der Pilot der kleinen Propellermaschine setzt zum Landeanflug auf die Lagune an und ich kann aus der Ferne den dampfenden Rauch des Salto Ángel erkennen. Auf diesen Tagestrip freue ich mich schon seit meiner Ankunft in Südamerika und ich rutsche nervös auf dem Flugzeugsitz hin und her. Rasch in ein hölzernes Wasserfahrzeug umgestiegen, geht es auch schon los.

Das dichte Blätterdach des Urwalds biegt sich bis auf den Fluss herab und hinter jeder Windung entdecke ich ein neues, spektakuläres Panorama. Der Bug schiebt sich knirschend auf eine Sandbank und alle Passagiere klettern erwartungsfroh an Land. Jetzt sind es nur noch wenige Meter und das 979 Meter hohe Naturwunder steht vor uns: Wild und ungezähmt rauscht das Wasser über die Fallkante und ich verstehe mein eigenes Wort nicht mehr!

Die Vogelperspektive der Tafelberge

Nachdem ich in den schillerndsten Farben von meinem Wasserfallausflug träume steht fest: Ich muss unbedingt noch einmal in diese Region! Ich buche einen Rundflug über den Nationalpark Canaima und lasse mir das größte Schutzgebiet Venezuelas zeigen. Steile Täler haben sich tief in das zerklüftete Hochland gefräst und so entstanden Tafelberge in formvollendeter Schönheit. Am 2535 Meter hohen Auyan-Tepui geht der Pilot in den Sinkflug.

Ich denke zuerst, es ist etwas nicht in Ordnung und wir müssen notlanden. Doch er grinst mich durch seine verspiegelte Sonnenbrille an und fliegt weiter, der Erde beängstigend nah und direkt der Kante entgegen. Gerade noch gleitet das Hochplateau keine 50 Meter unter mir vorüber als ich plötzlich ins endlose Nichts blicke. Adrenalin durchflutet meinen Körper und ich stoße lauthals Jubellaute und „Wow“-Rufe aus – das ist ja wie in einem 3D-Film! Nur eben real. Die Wolkendecke über dem benachbarten Salto Ángel lüftet sich auch gerade und beschenkt mich mit einem perfekten Regenbogen!

Hat ein Bergland ein Tiefland? Am Amazonas ist alles möglich!

Dort wo das Hochland von Guyana unvermutet endet, kriechen die Regenwälder des Amazonas die Bergflanken herauf. So als wollten sie auch jenes Gebiet für sich einnehmen. Diese Gegend wird von den Einheimischen „Tal“ genannt und verliert sich irgendwo zwischen Rio Negro, Amazonasstrom und Felswand. Einzigartig. Ich nehme an einer geführten Wanderung durch das mächtigste zusammenhänge Waldgebiet der Erde teil und bin recht bald außer Atem.

Das Tiefland entpuppt sich als welliges Terrain mit winzigen Pfaden, die immer wieder zuwachsen. Unser Guide geht mit einem Buschmesser voran und hackt geräuschvoll den Weg frei. Buntgefiederte Aras hocken fröhlich plappernd in den Bäumen und einmal meine ich sogar die Augen eines Jaguars aufblitzen zu sehen. Gürteltiere watscheln vorüber, eine Capybara-Familie nimmt neben uns ein kleines Bad und als ein Ameisenbär den Weg kreuzt, klicken die Fotoapparat wie besessen.

Reiseratgeber

Dem Himmel so nah: Das bombastische Hochland von Guyana

Während meines Rückflugs überlege ich, was ich zu Hause auf die Frage antworte, wie meine Reise war. Schön? Zu wenig. Atemberaubend? Stimmungsvoll? Fantastisch? Alles nicht genug. Ich glaube ich werde erzählen, dass ich einen Blick in den Garten Eden werfen durfte. Pathos hin oder her!

Titelbild: © istock.com – Rafal Cichawa