Meine Fotoreise nach Island: Die Jagd nach Polarlichtern

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27. Oktober 2015 um 10:36 Uhr

Polarlichter in IslandAutorin HannahIch liege auf dem Dach meines Mietwagens und schaue in den samtblauen Nachthimmel der Nordhalbkugel. Den Finger vorsichtshalber ständig nahe des Auslösers, kann ich es kaum erwarten, bis sie sich endlich zeigen: Die Polarlichter.


 
 

Rau, wild, isländisch: Entlang des „Goldenen Rings“

Gleich nach meiner Landung auf Island steure ich den Wagen vom Flughafen Reykjavik Richtung „Goldener Ring“. Diese beliebte Touristenroute macht es möglich innerhalb eines Tagesausfluges drei isländische Must-Sees anzusteuern. Zwar habe ich es überhaupt nicht eilig, doch muss ich um den Polarlichtern nahe zu kommen ohnehin an den Gullfoss.

Dazu passiere ich zunächst die Thing-Stätte von Pingvellir. Die amerikanische und europäische Kontinentalplatte treten dort zutage und driften tagtäglich ein kleines Stück auseinander. Auf einer Schautafel lese ich, dass dieses Sich-voneinander-entfernen der beiden Erdteile ungefähr im gleichen Tempo geschieht, in welchem Fingernägel wachsen. Ich blicke fasziniert in die Tiefen des Grabenbruchs, mache vielversprechende Fotos von den fantastischen Wolkenspiegelungen auf dem benachbarten See Pingvallavatn und bestaune verzückt die hölzerne, schneeweiße Kirche der kleinen Gemeinde. Anschließend geht es weiter zum Geothermalfeld von Haukadalur.

Video: Island – Das Tor zur Anderswelt

Der Vater der Geysire und der Weg in die Einsamkeit

Fontäne IslandDie tektonischen Unruhen unter Haukadalur bringen Schnee und Eis zum Schmelzen und mich packt das Foto-Fieber! Gespannt hocke ich vor dem Großen Geysir, der als Namensgeber für alle anderen wasserspeienden Thermalquellen dieser Erde fungiert und warte auf den Ausbruch. Eine mächtige Wasserfontäne schießt geräuschvoll in die Höhe und ich knipse wie verrückt und völlig entzückt. Getimtes Abdrücken ist auch bei meinem nächsten Vorhaben von entscheidender Bedeutung. Ich mache noch kurz Station am 32 Meter hohen Gullfoss und verlasse dann den „Goldenen Ring“ Richtung Inselinnere.

Der 160 Kilometer lange Hochlandweg Kjalvegur ist ungeteert und mächtige Schneewechten recken sich zu beiden Fahrbahnseiten. Mein Wagen rattert über die planierte Steinpiste und ich fühle mich entrückt von aller Zivilisation. Tiefverschneite Berge tauchen vor der Motorhaube auf und ich suche mir nach knapp 50 Kilometern einen abgelegenen Parkplatz. In wärmende Klamotten gehüllt und voller Vorfreude, sehe ich der Sonne dabei zu, wie sie hinter dem Horizont verschwindet. Die Lichtershow kann beginnen!

Die Erfüllung meines Lebenstraums: Polarlichter über Island

Ich hocke schon eine Weile auf meinem Autodach. Der Sternenhimmel ist klar und leuchtet geheimnisvoll-fantastisch, von Polarlichtern allerdings keine Spur! Gerade als ich schon aufgeben und ins Bett gehen möchte, sehe ich im Augenwinkel einen grünen Schleier sich in schlängelnden Wellen bewegen. Ich bin wie elektrisiert! Das fortwährende Knipsen meiner Kamera ist das einzige Geräusch, dass auf dem Hochland von Kjölur zu hören ist; wenn ich kurz inne halte, umarmt mich eine gespenstische Stille. Island bedeutet Mystik hoch zehn! Nachdem der grüne Wellenvorhang langsam verblasst, färbt sich der Himmel rosa-rot.

Reiseratgeber
Eine langzogene Schleppe mäandert gespenstisch zwischen Polarstern und Orion hindurch. Ich halte einfach drauf – wie gut die Aufnahmen tatsächlich sind, kann ich beim Live-Anblick dieses Naturwunders nicht einschätzen. Den finalen Höhepunkt markiert ein weißes Polarlicht. Es spiegelt sich im hellen Schnee und bringt jenen zum Leuchten – als würde die Schneedecke brennen, so wirkt es für mich!

Island: Zu schön und doch wahr!

Dieses fantastische Nordland zieht mich in seinen Bann, lässt mich nicht los und auch keine Nacht mehr schlafen! Wird es dunkel draußen, kann ich nicht anders und beziehe Position auf meinem Autodach – kein einziges Polarlicht möchte ich versäumen, an diesem so überirdisch schönen Fleckchen mitten im Atlantik!

Titelbild: © istock.com – kongxinzhu
Textbild: © istock.com – VanderWolf-Images

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